Blueprint fanzine
(sr) MIKROKOSMOS 23 sind eine deutschsprachige Punkgruppe, die in ihren Liedern die Stromgitarren zunächst schraddeln bzw. schrubbeln, dann gar aggressiv mit viel Distortion anschlagen, um anschließend ein gefühlvolles Tiedeldiedel erklingen zu lassen. Die nachdenklichen Texte werden von einer recht rauen Männerstimme dargeboten.
Ja, so einen Scheiß schreibt man, wenn man nicht so recht weiß, was man von einem Album halten soll. Was die jungen Herren aus Meißen hier charmant unperfekt mit viel Herz in Sachen Emopunk veranstalten, ist auf jeden Fall vielversprechend und einen oder zwei Konzertbesuche wert. Was man aber auch sagen muss, „Als wir jung waren ist jetzt" macht seinem Namen alle Ehre. Die Jungs sind definitiv noch grün hinter den Ohren und total verspielt. Brettern einfach drauf los und fügen die Ideen, offensichtlich von hier und da fast mehr als nur inspiriert, nach oben beschriebenem Muster zusammen. So klingt das Ganze nach TURBOSTAAT meets KATZENSTREIK meets CAPTAIN PLANET meets … meets … und oft so nach dem Motto: „Haben wir jetzt alle Parts untergebracht und genug ausgereizt?"
Wer sich die Mühe machen will, schafft es trotzdem, viele kleine Besonderheiten auf dem Spielplatz zu entdecken. Mein Favorit auf jeden Fall die „ein Hammer wär jetzt echt nicht schlecht"-Stelle in „Das Wort einer Kultur". Die ist z.B. echt mal hammer.
Dosenmusik
Matze, Peter, Toni und Tom sind "Mikrokosmos 23" aus Meißen. Das heißt "Als wir jung waren ist jetzt" ist starker Post Punk / Emo mit deutschen Lyrics aus unserer Ecke der Welt. Gute Texte gesellen sich zu fetten Klängen mit viel Emotion und Herzblut.
"Als wir jung waren ist jetzt" eröffnet die zweite Scheibe von "Mikrokosmos 23" mit einem schönen langen Intro, dass viel verspricht. Aber das wird auch gehalten, denn die 9 Songs machen gut was her und erzählen bekannte, neue und surreale Geschichten. Ein kaum spürbarer Übergang zu "Kein weißt du noch" eröffnet den Scream-Part mit viel Kraft und Energie. Es folgt ein etwas ruhiger gehaltener Song mit "Fahrpläne" in dem die Drums aber gewaltig nach vorn treiben. "Das Wort einer Kultur" hingegen ist sehr Gitarren-lastig und weniger fordernd aber nicht weniger intensiv. Kurz und knackig ist "Die nächste links" mit hartem Gesang der zum mit schreien einlädt. Noch eine Spur ruhiger ist "Sand im Kopf". Eigentlich eine Ballade, die allerdings durch ihre direkten Lyrics weder schmalzig noch romantisch ist. Besonders der Einspieler im Outro macht den Titel zu einer besonderen Nummer auf diesem Album. Schon die Titulierung "Pan vcs. Weltzeit" macht neugierig und der Songwriter wird einen nicht enttäuschen. Sehr melodisch ist "Solang du noch knien kannst" am großen Thema Liebe angelehnt und der Schmerz springt einem durch den Gesang fast ins Gesicht. Der letzte Titel "Farian" schließt die neun Songs wieder mit mehr Tempo und Kraft ab. Hier gefällt mir der mehrstimmige Gesang, Gitarre und der Scratch-Teil besonders gut, als würde die Band zum Schluss nochmal alles geben.
"Mikrokosmos 23" hat mich sehr beeindruckt und ich werde den Werdegang der Band wohl weiterverfolgen. Tiefgründige Lyrics, mit einer guten Stimme präsentiert und von den Instrumenten absolut nach vorn getragen. Für mich ein neuer Schatz im Plattenschrank, oder besser: Die wird meinen Player so schnell nicht verlassen.
Listen to it
MIKROKOSMOS 23 kommen aus der Porzellan-Stadt Meißen und lassen durch ihrer Musik die Tassen und Teller im Küchenschrank in Scherben springen. Ihr neues Werk wird von dem frischen jungen Hamburger Label Kids In Misery als CD und LP veröffentlicht, das mit dieser Veröffentlichung schon mal einen sehr guten Musikgeschmack bekundigt.
Auf dem Album mit dem wirklich gut durchdachten Titel "ALS WIR JUNG WAREN IST JETZT" geht es 9x steil Berg auf und ab. Über 31 Minuten wird Verzweiflung mit einem Funken Hoffnung gepaart. Genau dieser kleine Fitzel Hoffnung hilft einen immer weiter zu gehen, auch wenn der Weg oft steinig ist und in einer Sackgasse endet. Treibende Riffs treffen immer wieder auf ruhige gut durchdachte Parts, die mit viel Spielfreude und einem ehrlichen Sound aus den Boxen gedrückt werden. MIKROKOSMOS 23 lassen ihre Hörerschaft kurz träumen und treten ihr im nächsten Moment auch gerne wieder ordentlich und mit Anlauf in den Arsch. Ob man nun will oder nicht, man wird in den Bann von MIKROKOSMOS 23 gezogen und das für länger, als nur einen Durchlauf. Die Jungs verstehen es wirklich einen mit ihren Songs und den tiefgründigen deutschen Lyrics zu fesseln.
Wer auf leidenschaftlichen Post-Hardcore, Post-Punk und Emocore der alten Schule steht, der mit viel Herzblut, Emotionen, Schweiß und Tränen dargeboten wird, der wird an "ALS WIR JUNG WAREN IST JETZT" seine wahre Freude haben. Also zieht los und kauft euch diese Platte!
Ox Nr.78
Dieses Album sollte man sich laut anhören, unbedingt. Denn erst dann kommt richtig zur Geltung, wenn in die leisen Stellen, dort wo Gitarren fast schon sanft zu gesprochenen Worten erklingen, hinein geschrieen und vom gnadenlosen Noisemassaker alles andere weggefegt wird. MIKROKOSMOS 23 halten die Waage zwischen Laut und Leise, Singen, Sprechen und Schreien, Verzweiflung, Sehnsucht und Hoffnung zwischen den Trümmern.
Das Label nennt YAGE und TURBOSTAAT als Referenz, ich füge noch MUFF POTTER zu Anfangszeiten dazu, habe aber hervor, dass hier - meist, immer gelingt es nicht ganz - Einflüsse zum eigenen Sound verarbeitet und nicht nur abgekupfert werden. Die neun Songs wirken, obwohl sie selten kürzer als 3:00 Minuten sind, knapp und auf den Punkt gebracht, machen das gesamte Album zu einer kompakten, kurzweiligen Angelegenheit - und machen auch Appetit auf mehr. (7) H.C. Roth
Sellfish
Respekt: So ein starkes Album kann nicht jedes Label als erste Veröffentlichung vorweisen. Nüchtern ausgedrückt trägt das Debüt von Mikrokosmos 23 nämlich die Bezeichnung „kim 001", was schlichtweg bedeutet, dass „Als wir jung waren ist jetzt" der erste Tonträger ist, den das Hamburger Ein-Mann-Label Kids In Misery in die Welt setzt. Tatsächlich ist das Album etwas Besonderes geworden, obwohl es sich relativ leicht in eine Schublade stecken lässt.
Auf eben jener Schublade steht übrigens „Heartcore" und sie hat schon so tolle Bands wie yage und Jet Black beheimatet, während sich dieser Tage dort wohl vor allem Matula, peters. oder Escapado aufhalten. Die Einordnung fällt deswegen nicht schwer, weil Mikrokosmos 23 nicht wirklich viel anders oder neu machen, was nicht bereits aus diesem Genre, das sich irgendwo aus den Dunstkreisen von Emopunk, Indierock und Posthardcore zusammensetzt, in den letzten Jahren gekommen wäre: geradlinige Gitarren mit kraftvollen Refrains, überaus passend eingeflochtenen Samples und deutschen Texten, die ab und zu hart an der Pathosgrenze kratzen. Der Unterschied ist einfach der, dass Mikrokosmos dabei ein entscheidendes Stückchen besser sind, als viele andere Bands, die sich in diesem musikalischen Minenfeld tummeln. Ein Minenfeld deshalb, weil man gerne mal in ein Pathosfettnäpfchen treten kann. Mikrokosmos 23 umschiffen das zumeist ganz geschickt und nehmen dabei noch so viel Fahrt auf, dass man die neun Songs nach dem ersten Durchlauf gleich noch einmal hören möchte. Eine Albumstruktur ist klar vorhanden, das Songwriting schon sehr ausgereift und zusammengehalten wird das alles durch eine ganz bestimmte Kantigkeit. Soundtechnisch bewegt man sich ungefähr dort, wo Jimmy Eat World damals „Static Prevails" eingezimmert haben. Gesanglich fühlt man sich an die oben genannten Bands erinnert und doch merkt man „Als wir jung waren ist jetzt" immer wieder an, dass hier sich jemand etwas traut und viel Mut im Spiel war. Und das passt ja wiederum ganz wunderbar zu dem Mut, den man braucht, um ein Label aufzuziehen. 8 von 10 Sternen
Sebastian Gloser
Trust
Aus Meißen ist das Quartett und 2006 gab es schon ein EP. Nun also das Debut Album, das schwer nach einer Mischung aus emotionalem Harcore und ein wenig norddeutschem Punkrock der Marke Turbostaat und Co. klingt - aber nicht so sehr nach Jens Rachut Bands, sondern da geht es ganz klar stärker in Richtung geschrienen Hardcore, Yage usw. Die Punkrockseite steht ihnen eindeutig besser, finde ich, und die klingt auch sehr ordentlich. Der Gesang ist allerdings oft nicht mein Fall, was beim Rumgeschreie schnell etwas nervt. Gelungen und interessant ist der Wechsel von Laut und Leise, sonst aber bleibt es sehr mittelmäßig. (andreas)
unterm durschnitt
eine band die schon seit anderthalb jahren auf dem radar ist, immer wieder mit guten bands auf tour ist und nun durch lars.. sein Kids In Misery-Label wohl auch endlich auf touren kommt. wer sich noch an die frühen emanzipationsversuche von MUFF POTTER/TURBOSTAAT-inspirierten bands erinnern kann - es sei nur mal an die tollen RAKETENJUNGS (ex-Der Trick Ist Zu Atmen) aber auch NAFI erinnert, hat ungefähr eine vorstellung davon in welche richtung mikrokosmos 23 schießen. im kern derber punkrock mit ordentlich schniff unter der rotznase, textlich intelligente mixtur aus gesellschaftskritik und emotionalen bezügen. ich war sehr traurig über das ableben besagter bands und daher total froh, dass M23 diese lücke nun schließen. wer mit CAPTAIN PLANET etwas anfangen kann, dem muss M23 definitiv wärmsten an das gelegt werden, aus was diese platte den angaben zu folge gepresst wurde: herz.
da das Herz also nicht nur den bildmittelpunkt des Kids In Misery-Logos bildet, sondern auch inhaltlicher ausgangspunkt ist, haben die boys gleich mal die platte vom herz aus starten lassen - das liegt nämlich in der mitte der platte und ist auf das labeletikett gedruckt. beide rillen laufen nach außen. das haben EA80 auf ihrer "reise" LP kürzlich auch gemacht und mich ziemlich verärgert, denn die scheiß nadel ist einfach mal über die platte hinaus gelaufen und fiel neben den plattenteller. aber ... keine angst! ganz so dreisten "punk" muten uns mikrokosmos nicht zu, alles bleibt -ausnahmesweise positiv - im rahmen :-P.
Wahrschauer
Tonträger eingelegt und auf „Play" gedrückt: Einem Knistern folgt ein Knacken, dann sammeln sich die Instrumente und die Gitarre spielt die ersten Riffs. Cool! Das sind doch TURBOSTAAT... Zack - ein Break! TURBOSTAAT weg... Break! TURBOSTAAT wieder da. Es kommt zur Aneinanderreihung von instrumentalen Parts mit Breaks. Dann setzt der Gesang ein. Ich denke an D.H. aus Leipzig. Wieder Breaks. Schreigesang. Immer wieder Stops, musikalische Themen werden aufgenommen, festgehalten, wieder an andere gereiht und nach 3:43 ist dann Schluss. Puh! Zweiter Song: Gitarre fängt an - TURBOSTAAT. Der Rest setzt ein, TURBOSTAAT weg. Gesang trägt den Song ein Stück voran, dann wieder Veränderung. Ruhe kehrt ein... Es folgt der Ausbruch. Ganz viele Gitarren in verschiedenen Tönen und Akkorden. Die Anschlagstechniken wechseln, die Schlagzeugtakte auch. Gesang pendelt zwischen Melodie, Sprechen und Schreien. Der Song fällt, steht auf, fällt wieder, springt hoch und fällt ganz tief. Wow! Das sorgt für massive Abwechslung in 2.34 Minuten. Nicht so einfach, dem zu folgen. Manchmal ist auch weniger mehr. Vielleicht fällt es den Jungs schwer, auf den Punkt zu kommen? Naja, nicht wirklich. In den darauf folgenden Stücken geht es schließlich nicht mehr ganz so vertrackt zur Sache. Es wird nachvollziehbarer komponiert und der Hörer wird nicht mehr so schnell aus den musikalischen Strukturen geworfen. Die Gitarren bestimmen die Songs. Sie verstehen es, in Engelstönen zu kommunizieren mit liebhaften Melodien, um anschließend gemeinsam und zerstörerisch diese Kommunikation zu killen. Insgesamt bietet der MIKROKOSMOS 23 der Welt einen Einblick in die ihrige mit 9 Songs in 31 Minuten. Ab Titel 5 beginnt lt. CD-Trackliste die B-Seite. Diese steht dem Punkrock wieder etwas näher, wenn auch nicht in seinem klassischem Sinn. Davon haben sich MIKRKOMOS 23 auch viel zu weit entfernt, als dass sie dahin zurück kehren könnten. Aber jetzt kommt es nicht mehr zu einer Überlagerung der Breaks und Cuts, sondern zu eingängigeren Songstrukturen, die viel besser funktionieren und dadurch zu begeistern wissen. Natürlich sind die Gitarren nach wie vor verspielt und auch die Songs krachen und schweigen - aber Steigerungen, Ausbrüche und Reduktionen wirken viel straigther und rockiger, als noch zu Beginn der Scheibe. Genau so funktioniert Emo am intensivsten! Und ja, jetzt ist es passiert – der Stempel wurde aufgedrückt! Aber Emo-Punk in dieser Art ist dann schließlich auch cool! Und auch wenn man es aus dem Blickwinkel des Musikers eher entgegengesetzt betrachten mag: Die Scheibe wird zum Ende hin immer besser und besser! Natürlich gibt es persönliche deutsche Texte, aber oft auch wütend statt empfindlich gehalten und vorgetragen! Alle, die sich im Umfeld von CAPTAIN PLANET, SYN*ERROR und D.H. wohl fühlen, werden es auch hier tun! Ganz sicher und versprochen!
Diplompunk
With Love, the Underground
Direkt aus der Porzellanstadt Meißen kommt dieses hervorragende Album, welches schon beim ersten Durchlauf TURBOSTAAT in Erinnerung ruft und an YAGE, aber auch an ESCAPADO denken lässt. Große Worte, denen MIRKOKOSMOS aber bereits beeindruckende Taten vorangeschickt haben, nämlich "Als wir jung waren ist jetzt" mit seinen neun Tracks, die geistreich, mitreißend und von seltener Schönheit sind. "Sand im Kopf" zitiert mit seinem verspielten Gitarrengeklimper charmant MINERAL, ohne den Schwung hinten anstehen zu lassen. Die aufsteigenden Harmonien schüren die Erwartung und am Ende des Liedes kommt dann eine so passende Zeile wie "Happy End Hollywood ist eine Stadt, die ich nicht kenne, nicht kennen will". Das Quartett pendelt jedenfalls konsequent zwischen Selbstaufgabe und Aufbruchstimmung, wobei die Melancholie immer mitschwingt. MIKROKOSMOS 23 könnten die nächsten ESCAPADO werden und sollten dies auch! (31:31) (8) Thomas Eberhardt
Yellow is the new pink
Matula and Captain Planet beware! Your shared throne in the kingdom of emotional punkrock in german language is in danger.
Mikrokosmos 23 are fishing in the same lake as the bands mentioned above. Yet they style is pretty distinct. What unites all three bands is the honest way they put their emotions into songs and their hand for good hooks and melodies. But where Matula tend to indie and Captain Planet show their roots in classic 90s melodic punk Mikrokosmos 23 are way more emo (in the old sense of the word). Their songwriting is dominated by strong dynamics and rhythmic breaks while the vocals shift between singing and screaming. I sense influences from bands like Thursday and their contemporaries as well as some screamo additives. Mixed with lots and lots of emotion and spirit it all blends to an idiosyncratic brand of fuck-let's-just-call-it-emo. Let's reclaim the word from the teenage fashion victims!
I'm sorry it took me so long to review this record. It is already out since April and I've been listening to it ever since I got it. And I really, really like the record title! It's good to see that in the garden of d.i.y. there are always new flowers growing. Flowers may wither and die but the garden remains. jan